Guidelines

Von Interaktionsdesigns zu Guidelines

In enger Zusammenarbeit mit blinden und sehbehinderten InternetnutzerInnen wurden in Verhaltensbeobachtungen und gemeinsamen Workshops Feedbackstrategien erarbeitet und ein Interaktionsdesign für einen Tracking Blocker, der auf einer Webseite vorhandene Tracker anzeigt und es ermöglicht diese zu blockieren, entworfen (siehe Abbildung 1).

Interaktionsprototyp - 2 Bilder. Linkes Bild: Liste in der die vorhandene Tracker angezeigt werden, plus die Möglichkeit diese Tracker über einen Schalter zu blockieren bzw. zu erlauben. Rechtes Bild: Liste in der die vorhandene Tracker angezeigt werden, plus eine ausgeklapptes Infofeld, welches weiterführende Informationen über den ausgewählten Tracker anzeigt.

Abbildung 1: Interaktionsprototyp (a) Liste der Tracker (b) Weiterführende Information

Das Interaktionsdesign wurde in einer Studie mit blinden und sehbehinderten NutzerInnen evaluiert. Die Erkenntnis der NutzerInnen Studie wurden verwendet um das Interaktionsdesign in konkrete Richtlinien für die Erstellung von barrierefreien Tracking Blockern zu überführen. Die Richtlinien zu Kontrolle über blockierte Tracker, akustischen Warnungen, visuellem Feedback, Personalisierbarkeit und Meldungen und weiterführende Informationen sind in den folgenden Kapiteln aufgelistet.

Die Guidelines können unter folgendem Link auch als PDF heruntergeladen werden: Download der Guidelines (PDF-Datei).

Das Guidelines sind unter der Lizenz CC-BY-SA 3.0 AT zur Verfügung gestellt.

Kontrolle über blockierte Tracker

  • Die NutzerInnen sollen selbst bestimmen können, ob ein bestimmter Tracker blockiert wird oder nicht, da einige Dienste trotz Privatsphäre Bedenken genutzt werden. Diese Einstellungen sollten einmal global gesetzt werden, aber bei Bedarf für bestimmte Seiten geändert werden können.
  • Um einen Tracker zu blockieren / freizugeben empfiehlt sich die Verwendung von Toggle Buttons, welche sowohl über die Position als auch über die Farbe Feedback über den Zustand des Buttons liefern. Die Toggle Buttons müssen für den Screenreader eine sinnvolle Beschreibung des Zustands bereitstellen (z.B. blockiert / erlaubt und den Namen des Trackers). Dies kann zum Beispiel so wie ein Abbildung 1a gelöst werden.
  • Die Tastaturbedienung muss für eine vernünftige Verwendung mit Screenreader möglich sein. Bewährt hat sich eine Listenstruktur (siehe Abbildung 1), welche mit den Pfeiltasten (rauf / runter) navigiert werden kann. Das Blockieren von Trackern sollte mit einer einzelnen Taste (z.B. mit der Leertaste) aktiviert / deaktiviert werden können.

Akustische Warnungen

  • Akustisches Feedback wird (vor allem) von blinden NutzerInnen bevorzugt.
  • Es sollte ein kurzer, prägnanter Ton abgespielt werden, welcher darüber informiert, dass Tracker gefunden bzw. geblockt wurden.
  • Der Ton sollte dabei nicht zu aufdringlich sein und über die Personalisierungs-Einstellungen deaktiviert werden können.
  • Ähnlich einem Ampelsystem wünschen sich die NutzerInnen ein dreistufiges Feedback ob eine Seite (abhängig von der Anzahl oder Art der Tracker) unbedenklich, bedenklich oder sehr bedenklich ist.
  • Das akustische Feedback sollte möglichst über verschiedene Töne (z.B. verschiedene Instrumente) realisiert werden. Tonfolgen haben sich in den NutzerInnen Studien als zu wenig unterscheidbar herausgestellt.

Visuelles Feedback

  • Visuelles Feedback ist für sehbehinderte NutzerInnen wichtig, da viele ohne Kopfhörer am PC arbeiten.
  • Ähnlich einem Ampelsystem wünschen sich die NutzerInnen ein dreistufiges Feedback ob eine Seite (abhängig von der Anzahl oder Art der Tracker) unbedenklich, bedenklich oder sehr bedenklich ist.
  • Das visuelle Feedback sollte nicht aufdringlich sein und den Workflow nicht unterbrechen.
  • Die Warnstufen können dabei durch verschiedene Symbole dargestellt werden Wichtig ist dabei, dass die Symbole nicht nur durch die Farbe, sondern auch durch die Form unterscheidbar sind und einen hohen Kontrast besitzen. Die NutzerInnen bevorzugten Symbole (Kreis, Dreieck, Sechseck) wie man sie von Verkehrsschildern kennt – siehe Abbildung 2.
  • Bei visuellem Feedback muss ausreichend Kontrast vorhanden sein. Mindestens ist ein Kontrastverhältnis von 4,5 : 1 von Symbol und Hintergrund notwendig (vgl. WCAG Richtlinie 1.4.3).

    grüner Kreis für unbedenklich – im Symbol steht die Zahl 1 gelbes Dreieck für bedenklich – im Symbol steht die Zahl 4 rotes Sechseck für sehr bedenklich – im Symbol steht die Zahl 9

    Abbildung 2: Beispiel für Feedbacksymbole

Personalisierbarkeit

  • Die Feedbackmodalitäten sollten von den BenutzeIinnen selbst gewählt werden können. So werden beispielsweise akustische Warnung von blinden NutzerInnen bevorzugt, von sehschwachen NutzerInnen werden diese aber eher als nervend abgelehnt.
  • Das Feedback sollte auf mehreren Kanälen präsentiert werden, sofern das von den NutzerInnen gewünscht ist.
  • NutzerInnen sollten die Häufigkeit der gegebenen Warnungen einstellen können. Manche NutzerInnen sprachen sich dafür aus, nur bei bedenklichen Seiten gewarnt zu werden, andere NutzerInnen wollten auch bei unbedenklichen Seiten Feedback bekommen – zum einen um aktiv darüber informiert zu werden, dass diese Seite unbedenklich ist, zum anderen um Feedback zu erhalten, dass das Tool korrekt funktioniert.

Meldungen und weiterführende Informationen

  • NutzerInnen bevorzugen sparsame automatische Meldungen und leichten Zugriff auf weiterführende Informationen. Vor allem sollten die NutzerInnen nicht in ihrem Workflow unterbrochen werden.
  • Durch einen Tastatur Shortcut soll aber leicht Zugriff auf weiterführende Informationen möglich sein, wenn sie sich dafür interessieren. Wichtig ist dabei zu beachten, dass der Shortcut personalisierbar ist, da gerade assistierende Technologie oft eine Vielzahl von Shortcuts verwendet und „blockiert“.
  • Ein zweistufiger Feedback- und Informationsprozess wurde von den NutzerInnen positiv bewertet. Über eine Tastenkombination und auch über einen Button in der Menüleiste wird ein erstes Feedback geliefert – in Form einer Einschätzung der Webseite auf einer dreistufigen Skala. Ein weiteres Aufrufen derselben Tastenkombination (in einer gewissen Zeit) bzw. ein Click auf das Info-Element bewirken, dass ein Menü mit weiteren Informationen geöffnet wird (z.B. ähnlich wie in Abbildung 1). Feedback und weiterführende Information auf verschiedenen Tastenkombinationen zu legen, wurde von den NutzerInnen eher abgelehnt, da gerade NutzerInnen von assistierender Technologie sich schon eine große Anzahl an Tastenkombinationen merken müssen.
  • Die Information über einen Tracker sollte möglichst schnell abrufbar sein. Bewährt hat sich dabei die Information in einem eigenen Feld direkt neben dem Tracker anzuzeigen. Die weiterführende Information sollte sowohl per Maus als auch per Tastatur leicht erreichbar sein. Dies kann beispielsweise so wie in Abbildung 1b gelöst werden.
  • Weitere Informationen über einen Tracker sollten in verschiedenen Sprachen verfügbar sein. Ausschließlich englische Beschreibungen wurden von den NutzerInnen kritisch gesehen.